Schriftliche Anfrage
des Abgeordneten Henner Schmidt (FDP)

vom 26. Juli 2018 (Eingang beim Abgeordnetenhaus am 27. Juli 2018)


zum Thema:

Mobil mit Erdgas und Wasserstoff

 

An t w o r t
auf die Schriftliche Anfrage Nr. 18/15775

Im Namen des Senats von Berlin beantworte ich Ihre Schriftliche Anfrage wie folgt:

Frage 1:
Wie viele Erdgastankstellen gibt es in Berlin (bitte nach Bezirken auflisten)?

Antwort zu 1:

In Berlin bieten derzeit 24 öffentlich zugängliche Tankstellen den Energieträger Erdgas an. Die nachfolgende Tabelle enthält die Betreiber und Standorte sowie den jeweiligen Zeitpunkt der Inbetriebnahme.

Die Tabelle entnehmen Sie bitte dem PDF.

Frage 2:
Wie viele Wasserstofftankstellen gibt es in Berlin (bitte nach Bezirken auflisten)?

Antwort zu 2:

Aktuell wird der Energieträger Wasserstoff an vier Tankstellen in Berlin angeboten, an jeweils einer Tankstelle in Tempelhof-Schöneberg (Sachsendamm), Charlottenburg- Wilmersdorf (Heerstraße) und an zwei Tankstellen im Bezirk Mitte (Holzmarktstraße und Heidestraße). Eine Tankstelle im Bezirk Pankow (Rothenbachstraße) befindet sich im Genehmigungsverfahren.

Frage 3:
Wie viele Erdgasfahrzeuge sind in Berlin zugelassen (jeweils Pkw und Lkw/Nutzfahrzeuge)?

Antwort zu 3:

Nach Angaben des Landesamtes für Bürger- und Ordnungsangelegenheiten sind aktuell 3.139 Pkw und 751 Nutzfahrzeuge (Verschlüsselung 0009/“Erdgas NG“ bzw. 0007/“Benzin/Komp. Erdgas“ bzw. 0022/“Hybr.Erdgas/E“) mit B-Kennzeichen zugelassen, die Erdgas als Energieträger nutzen.

Frage 4:
Wie viele mit Wasserstoff betriebene Fahrzeuge (sowohl Verbrennungsmotorantrieb als auch Brennstoffzellenantrieb) sind in Berlin derzeit zugelassen (jeweils Pkw und Lkw/Nutzfahrzeuge)?

Antwort zu 4:

Nach Angaben des Landesamtes für Bürger- und Ordnungsangelegenheiten sind aktuell 31 Pkw und keine Nutzfahrzeuge (Verschlüsselung 0015/“BZ/Wasserstoff“) mit B- Kennzeichen zugelassen, die Wasserstoff als Energieträger nutzen. Die Bestandsstatistik enthält keine Unterscheidung nach der Antriebsart.

Frage 5:
Welches Potential sieht der Senat in wasserstoffbasierter Mobilität für den Klimaschutz, insbesondere im Zusammenhang mit dem angestrebten weiteren Ausbau der Sektorenkopplung?

Antwort zu 5:

Die auf Wasserstoff basierte Mobilität ist langfristig eine Entwicklungsoption für die Bereiche, in denen Elektromobilität aus unterschiedlichen Gründen nicht zum Tragen kommen kann (Flugverkehr, Schiffsverkehr, Langstrecken-Straßengüterverkehr etc.). Die technologischen Entwicklungen der Elektromobilität und hier vor allem bei der Batterietechnik sind jedoch erstens so signifikant, dass der Senat davon ausgeht, dass die Sektorenkopplung zwischen dem Strom- und dem Verkehrssektor sich in absehbarer Zeit auf die Elektromobilität konzentrieren wird. Zweitens ist die Bereitstellung von Wasserstoff auf Basis erneuerbarer Energien, und nur das könnte die Perspektive für wasserstoffbasierte Mobilität sein, mit signifikanten Umwandlungsverlusten und hohen Investitionskosten verbunden. Auch werden große Mengen an regenerativem Überschussstrom, mit denen kapitalintensive Wasserstofferzeugungsanlagen ökonomisch vertretbar ausgelastet werden können, in Deutschland erst sehr langfristig anfallen. Daher ist, insbesondere aus Gründen des begrenzten Flächenangebots für die regenerative Stromerzeugung in Deutschland und der absehbaren Kostensituation für die Bereitstellung und Nutzung von Wasserstoff (z.B. über die Brennstoffzellentechnologie), in allen Mobilitätsbereichen, in denen dies möglich ist, dem direkten Einsatz von Strom der Vorzug zu geben. Ob, wann und unter welchen Bedingungen sich ein Weltmarkt für klimaneutral bereitgestellten Wasserstoff entwickelt und sich damit die Verfügbarkeit erneuerbarer Energien für die Wasserstoffherstellung sowie die Kostensituation vorteilhafter darstellen könnten, ist bis auf weiteres nicht absehbar.


Frage 6:

Welche Maßnahme ergreift das Land Berlin bzw. sind angedacht, um die wasserstoffbasierte Mobilität voranzutreiben?

Antwort zu 6:

Für das Land Berlin hat derzeit der Ausbau der Elektromobilität und der dafür notwendigen Infrastrukturen im Bereich der privaten und der öffentlichen Mobilität aus den in der Antwort zu Frage 5 genannten Gründen Priorität.

Das von der Senatsverwaltung für Wirtschaft, Energie und Betriebe initiierteFörderprogramm „Wirtschaftsnahe Elektromobilität“ sieht – analog zum Förderprogrammdes Bundes, dem sog. „Umweltbonus“ – auch die Förderung von elektrischen Fahrzeugen vor, die mit einer Brennstoffzelle angetrieben werden und damit wasserstoffbasiert sind. Im Rahmen der Maßnahme, die darauf abzielt kleine und mittlere Unternehmen der gewerblichen Wirtschaft beim Umstieg auf elektrisch betriebene Fahrzeuge zu unterstützen, wird je nach Fahrzeugklasse ein einmaliger Förderbonus in Höhe von 4.000 bzw. max. 8.000 Euro gewährt.

Frage 7:
Welche Maßnahmen bestehen bzw. sind angedacht, um das Netz von Wasserstofftankstellen in Berlin zu erweitern?

Antwort zu 7:

Das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) stellt im Rahmen derFörderrichtlinie „Maßnahmen der Marktaktivierung im Rahmen des NationalenInnovationsprogramms Wasserstoff- und Brennstoffzellentechnologie Phase 2(Schwerpunkt Nachhaltige Mobilität)“ vom 22. Februar 2017 insgesamt zunächst bis 2019 250 Millionen Euro zur Unterstützung der Wasserstoff- und Brennstoffzellentechnologie bereit. Darunter fällt auch die Förderung von öffentlichen Wasserstofftankstellen und die der Betankung von Straßenfahrzeugen. Ziel ist die Marktaktivierung für Produkte, die die technische Marktreife erzielt haben, am Markt jedoch noch nicht wettbewerbsfähig sind, als Vorstufe des Markthochlaufs. Der Förderaufruf vom 18.10.2017 zielt auf die Förderung von Betankungsinfrastruktur. Anträge im Rahmen dieses Förderaufrufs waren bis zum 31.03.2018 einzureichen. Aus Berlin wurde ein Antrag eingereicht, der sich derzeit noch in Bearbeitung befindet.

Im Übrigen wird auf die Antwort zu Frage 5 verwiesen.

Berlin, den 10.08.2018

In Vertretung
Stefan Tidow
Senatsverwaltung für
Umwelt, Verkehr und Klimaschutz

 

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