Schriftliche Anfrage
des Abgeordneten Henner Schmidt (FDP)

vom 20. August 2018 (Eingang beim Abgeordnetenhaus am 22. August 2018)

zum Thema:
Wie präsentiert sich der Lietzenseepark zum hundertsten Jahrestag seiner Gestaltung?

Antwort
auf die Schriftliche Anfrage Nr. 18 / 16 073

Im Namen des Senats von Berlin beantworte ich Ihre Schriftliche Anfrage wie folgt:

1. Welche Bedeutung misst der Senat dem Lietzenseepark als Gartendenkmal bei?

Zu 1.:
Der Lietzenseepark, 1919-20 von Erwin Barth unter Hinzunahme bereits fertiggestellter Teilflächen gestaltet, ist ein bedeutendes Zeugnis der Gartenkunst. Bis heute sind die von Barth präzise geschaffenen Landschaftsbilder ein großartiges Erlebnis beim Durchschreiten des im Sommer 1920 eröffneten Parks, dessen verschiedene Funktionsbereiche trotz der teilweise schwierigen Geländetopographie nahtlos und garten- künstlerisch höchst gelungen ineinander übergehen. Gleichzeitig dokumentiert der Lietzenseepark die historische Entwicklung Charlottenburgs und Berlins und prägt eindrucksvoll das Stadtbild.

Der Lietzenseepark im Berliner Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf gehört somit zu den herausragenden Beispielen der freiraumpolitischen Errungenschaften der frühen 1920er Jahre in Berlin, entstanden an der Schnittstelle zwischen den Spätjahren des deutschen Kaiserreichs und den Anfangsjahren der Weimarer Republik. Als Gartendenkmal ist ihm eine besondere Unterschutzstellung zugewiesen worden, darüber hinaus dient er der Bevölkerung als Freiraum mit zahlreichen Nutzungsmöglichkeiten.

2. Welche Bedeutung misst der Senat dem bevorstehenden hundertjährigen Jubiläum der Gestaltung des Lietzenseeparks durch Erwin Barth bei?

Zu 2.:
Das bevorstehende Lietzenseepark-Jubiläum 2020/2021 (endgültige Eröffnung des gesamten Parks) ist insbesondere in Verbindung mit dem Jubiläum „100 Jahre Groß-Berlin“ bedeutend als Anlass für Aktivitäten zur Erinnerung an die gartenkünstleri- sche Leistung und das Schaffen von Erwin Barth, die freiraumpolitische Errungen- schaft der 1920er Jahre, den Schutzstatus und den Wert dieses innerstätischen Frei- raums für die Bevölkerung. Das Jubiläum kann als Katalysator für weitere notwendi- ge Instandsetzungsarbeiten wirken.

In den Jahren bis 1926, wurden ebenfalls noch unter der Regie Barths, weitere Um- gestaltungen im Park vorgenommen. Vor diesem Hintergrund wäre aus der Sicht des Bezirks das Jahr 2021 als Jubiläumsjahr zu bevorzugen, da bis dahin zumindest die praktische Umsetzung von auf den Weg gebrachten Planungen (unter anderem die Kleine Kaskade, die Wege und das Gewässerkonzept) abgeschlossen werden kön- nen.

3. Sind von Senatsseite Aktivitäten zur Vorbereitung dieses Jubiläums oder zur Feier des Jubiläums selbst geplant?

Zu 3.:
Zurzeit sind konkrete Jubiläums-Projekte noch nicht geplant. Das Landesdenkmal- amt (LDA) wird aber sicherlich zumindest im Rahmen der Aktivitäten zum Tag des offenen Denkmals 2020 beziehungsweise 2021 das Jubiläum des Lietzenseeparkes würdigen. LDA und Bezirk werden hier gemeinsam agieren.

4. Für wie wichtig hält der Senat die vollständige Wiederherstellung der wesentlichen Gestaltungsele- mente des Lietzenseeparks, insbesondere der „Kleinen Kaskade“?

Zu 4.:

Die Instandsetzung und Restaurierung wesentlicher Elemente des Parkes hat hohe Priorität und wird seit vielen Jahren durch den Bezirk und das Landesdenkmalamt durchgeführt und vorangetrieben. Als Grundlage konnte kürzlich ein umfassendes Parkpflegewerk mit gemeinsamer Finanzierung durch LDA und Bezirk abgeschlossen werden. Es wurden in den letzten 15 Jahren die Große Kaskade, der Witzlebenplatz, der Lietzensee selbst, Pflanzungen, Pergolen, Wege, Bänke, Sitz- und Spielplätze denkmalgerecht – auch mit Mitteln des Landesdenkmalamtes – instandgesetzt beziehungweise restauriert. Für 2018 ist der Beginn der Vorbereitungen zur Restau- rierung der Kleinen Kaskade vorgesehen.

Folgende Maßnahmen wurden bislang durchgeführt:

2009-2011 Sanierung Wege Schillerwiese und denkmalgerechte Sanierung des ge- samten Uferbereiches des Lietzensees mit Investitionsmitteln.
2014 Sanierung des Kinderspielplatzes Herbertstraße im Lietzenseepark mit Investi- tionsmitteln.

2015 Sanierung Mauern und Sockel Kinderspielplatz Herbertstraße mit Geldern des Landesdenkmalamtes.
2015 Erneuerung Holzzäune am Spielplatz „Speerträger“, „Sandalenbinder“ mit Gel-dern des Landesdenkmalamtes.

2015 Parkpflegewerk Fertigstellung Autor: Dr. Land unter anderem mit Geldern des Landesdenkmalamtes.
2016 Wegesanierung Uferweg im Nordteil des Parkes mit Geldern des Landesdenk- malamtes.

2016/17 Limnologisches Gutachten Lietzensee mit Geldern des Landesdenkmalam- tes.
2016/17 Monitoring und Beratung zur denkmalgerechten Parkentwicklung durch Dr. Land.

2017 Wiedererrichtung der Pergola am Dernburgplatz nach historischem Vorbild über das Förderprogramm Sondervermögen Infrastruktur der Wachsenden Stadt und Nachhaltigkeitsfonds (SIWANA) und Gelder des Landesdenkmalamtes.
2018/19 In der Investitionsplanung des Bezirks sind 2018/19 Mittel in Höhe von 420.000 Euro für die Gartendenkmalgerechte Erneuerung der Wegeflächen in der Grünanlage Lietzenseepark, 2. Bauabschnitt eingestellt.

Die kleine Kaskade, Baujahr 1919/20, ist ein wesentlicher Bestandteil des nördlichen Teils des Gartendenkmals Lietzenseepark. Die Sanierung der Kleine Kaskade wurde als Investitionsmaßnahme für das Haushaltsjahr 2017 angemeldet, diese Investition wurde allerdings zur Konsolidierung des Bezirkshaushaltes gestrichen. Um die Sa- nierung zumindest in kleinen Schritten voranzutreiben, werden in diesem Jahr zu- mindest die Vorplanung über Gelder des Landesdenkmalamtes beauftragt.

5. Bestehen aufgrund der gesamtstädtischen Bedeutung des Gartendenkmals Lietzenseepark grund- sätzlich Möglichkeiten, Mittel aus dem Landeshaushalt bereitzustellen, um den Bezirk Charlottenburg- Wilmersdorf bei der Herrichtung des Lietzenseeparks rechtzeitig zum hundertjährigen Jubiläum zu unterstützen?

Zu 5.:
Aus dem bescheidenen Ansatz des LDA für öffentliche Grünflächen konnten dem Bezirk in den letzten Jahren immer wieder unterstützende Mittel zur Verfügung ge- stellt werden, so auch 2018 etwa 120.000,- €, die dem Grünflächenamt zur auftrags-weisen Bewirtschaftung zweckgebunden für bestimmte Maßnahmen in den öffentli- chen Gartendenkmalen übertragen wurden. Eine Maßnahme betrifft die Vorplanung zur Restaurierung der Kleinen Kaskade im Lietzenseepark.

Die Parkwege im Gartendenkmal Lietzenseepark befinden sich, aufgrund von Über- alterung starker Übernutzung, in einem sehr schlechten Zustand. Die Gesamtkosten für eine Erneuerung der Wegeflächen und der Stufen- und Treppenanlagen belaufen sich auf 1,5 Mio €. Die Maßnahme soll deshalb in vier Bauabschnitten erfolgen. Der zweite Bauabschnitt umfasst den Bereich zwischen Schillerwiese und Wundtstraße.

Berlin, den 03.09.2018 In Vertretung

Gerry Woop
Senatsverwaltung für Kultur und Europa

 

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